Überlieferungen zu den Vorbauten
Die Gründung der ersten Kirche in Hardheim ist wahrscheinlich vom Kloster Amorbach ausgegangen, welches das älteste Patronat innehatte und dieses 1256 an Würzburg abtrat. Die nächste urkundliche Erwähnungen eines Gotteshauses datieren in das 14. Jahrhundert. Die Stiftung einer Frühmesse am Hochaltar, welcher den Heiligen Albanus und Quirinius gewidmet war , ist für den Anfang des Jahrhunderts überliefert. Noch vor 1366 stifteten die Ritter von Hardheim einen dem hl. Johannes dem Täufer und den Aposteln Petrus und Paulus gewidmeten Altar in die Hardheimer Kirche. Aus Stiftungsurkunden geht hervor, dass die Kirche im Besitz mehrere Altäre gewesen sein muss. 1366 sind vier Priester für die Verrichtung der Kirchendienste nachweisbar. In diesem Jahr wird die "Kirchen zu Hartheym" zudem als Begräbinsstätte der Herren von Hardheim erwähnt, was auf eine gewisse Größe des Sakralbaus schließen lässt.
Ein in der Chorwand der heutigen Kirche eingemauerter Grundstein mit der Inschrift Anno Domini 1438 lässt auf einen Neubau der Kirche im 15. Jahrhundert schließen, deren Stifter Ritter Reinhard V. von Hardheim und seine Gemahlin Gutta von Riedern durch Stifterwappen festgehalten sind.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren verschiedene Renovierungsarbeiten geplant, so wie die Aufstockung des Turmes um zwei Stockwerke und die Fertigung einer neuen Turmhaube. Aus einem 1611 in diesem Zusammenhang verfassten Bericht des damaligen Pfarrers Georg Christoph Widemann geht hervor, dass die Kirche (= Langhaus) und der Glockenturm in etwa die gleiche Höhe besaßen. Ferner werden eine Sakristei und Malereien des jüngsten Gerichts, der Erschaffung von Adam und Eva sowie Szenen aus dem Leben und Leiden Jesus Christi erwähnt. Ein Ölberg befand sich außerhalb der Kirche . Ein neuer Hochaltar soll von dem Bildhauer Zacharias Junker d.Ä. gefertigt worden sein. Die von Julius Echter beschenkte Kirche wurde 1617, vermutlich nach Beendigung der Ausbesserungsarbeiten, von dem Würzburger Weihbischof Eucharius Sang geweiht.
1658 wird in einem Bericht der Gemeinde Hardheim nach Würzburg erwähnt, dass die Kirche von Julius Echter erbaut worden sei. Die kurze Zeitspanne von sechs Jahren bis zur Weihe lässt aber eher an umfassende Umbau- und Renovierungsarbeiten denken, wofür auch spricht, dass der sehr schlechte Zustand des Gotteshauses beklagt wurde. Jedoch folgte erst im Jahre 1768 die Renovierung der Kirche, wobei auch die Fenster vergrößert und die Einrichtung im Barockstil neu gestaltet wurden.
Baugeschichte der heutigen Pfarrkirche
Bereits im Jahr 1830 trug man sich mit dem Gedanken eines kompletten Neubaus der Kirche. Am 15. Januar 1847 schließlich wurde der Beschluss hierfür gefasst und der Beginn der Arbeiten für das Frühjahr festgelegt. Der eingeleitete Rekurs (Einspruch) seitens des Fürstentums Leiningen wurde im September desselben Jahres abgewiesen, die Verwirklichung des Plans verzögerte sich jedoch vermutlich aufgrund der aufzubringenden Summe. Die Absicht, die Kirche wegen der hohen Kosten für die Gemeinde beizubehalten, wurde durch ein Sachverständigengutachten aus Karlsruhe im Jahre 1859 verworfen. 1880 wurde die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen und ihr Abbruch besiegelt. Der letzte Gottesdienst fand am 20. November 1880 statt, die Abbrucharbeiten begannen am 30. Juni 1881.
Am 4. April 1891 wurde mit den Ausarbeiten begonnen, am 15. Mai 1891 waren die Fundamente gemauert, am 12. Juli 1891 fand schließlich die Grundsteinlegung statt. Der Bau der neuen Hardheimer Kirche wurde unter der Leitung des Erzbischöflichen Bauamts in Heidelberg von Bauinspektor Maier und dem Architekten Paul Lindenmeyer aus Ulm durchgeführt. Sämtliche Steinmetzarbeiten übernahm die Berliner Firma Paul Wimmel und Co., für die übrigen Arbeiten wurden vorwiegend einheimische Handwerker, darunter der Maurer Ludwig Manger aus Buchen, verpflichtet.
Wegen Frost mussten die Bauarbeiten am 6. November 1891 eingestellt werden und konnten erst am 25. April des folgenden Jahres wieder aufgenommen werden. Ende 1892 war der Rohbau im Wesentlichen fertiggestellt. Am 1. Oktober 1892 begannen die Arbeiten am Dachstuhl und bis Ende des Jahres erfolgte die Eindeckung mit Ziegeln. Am 9. März 1893 wurden die Arbeiten am Turm fortgesetzt, der am 19. April bis zur Turmuhr hochgeführt war.
Auf Anregung des Stiftungsrates kam man im August desselben Jahres von einer Ausführung des Turmhelms in Holz ab und entschied sich für eine massive Ausführung in Stein. Am 23. Juni 1894 wurde das Kreuz auf dem Kirchturm aufgerichtet. Im selben Jahr wurden die Kirchenfenster von Helmle und Merzweiler aus Freiburg eingesetzt sowie eine Orgel von Orgelbaumeister Bader aus Hardheim angeschafft. Am 30. September 1895 brachte der Bildhauer Lambert aus Schwäbisch-Gmünd die Kanzel an einem Vierungspfeiler an.
1895 erhielt die Hardheimer Kirche ihr Geläut, das von der Glockengießerei Grüninger in Villingen hergestellt wurde.
Nachdem von Bauinspektor Maier bereits eine erste Entwurfszeichnung für den geplanten Ziboriumaltar vorlag, wurden zwei weitere Entwürfe, am 7. Juni 1894 von Baudirektor Merkel aus Freiburg und am 21. Juni von Fa. Simmler und Venator aus Offenburg, geliefert. Erstterer erhielt am 11. Oktober 1894 die Genehmigung durch das Erzbischöfliche Ordniariat.
Unstimmigkeiten über die Ausführung sowie diverse Planänderungen verzögerten jedoch die Arbeiten. Erst am 14. Juni 1895 genehmigte das Erzbischöfliche Ordinariat die Pläne in abgeänderter Form.
Als Erzbischof Thomas Nörber die Kirche am 18. April 1899 einweihte, war der Ziboriusaltar noch nicht aufgerichtet . Erst nachdem im Mai 1900 die Entwürfe hierzu auch die Zustimmung des hiesigen Pfarrers Josef Stephan fanden, konnte mit der raschen Bauausführung begonnen werden. Die Bildhauerarbeiten führte Karl Ludwig Bernhard aus, der auch die Seitenaltäre fertigte.
Die Kosten für den Kirchenneubau betrugen insgesamt 400.000 Mark. Der Kirchenfond konnte nur 170.000 Mark beisteuern. Der Differenzbetrag wurde teilweise durch Spenden beglichen und vor allem mit Hilfe der Sammelaktion Thomas Nörbers, der von 1881-1888 als Pfarrverweser in Hardheim tätig war, finanziert. Auch die tatkräftige Mithilfe der Gemeinde und der Filialgemeinden am Kirchenbau ist überliefert.
Aufgrund fehlender weiterer Finanzierungsmittel konnte erst im Juli 1912 die schon jahrelang geplante Ausmahlung der Kirche in Angriff genommen werden. Der Auftrag zur Ausmalung der Wandflächen mit Szenen aus dem Leben Jesu, Bildern der Apostel, des hl. Albanus und weiterer Heiligen ging an den Kunstmaler Augustin Kolb aus Offenburg, der im gleichen Jahr seine Arbeit aufnahm. Bei den Renovierungsarbeiten in den Jahren 1964-1968 wurden die Wandmalereien wieder entfernt. Sämtliche Wand- und Deckenflächen wurden weiß gestrichen.
Bei der letzten gründlichen Renovierung ab 1989 wurden die Malereien von August Kolb nach Befund wiederhergestellt und die ornamentalen Malereien in den Gewölben angebracht. Sie führen hin zur Vierungskuppel , in der das Kreuz, umgeben von Sternen und Sternkreiszeichen, die griechischen Buchstaben A und O sowie die vier Evangelistensymbole dargestellt sind. Erst 1990-1992 hat man die die leeren Wandflächen von der Mosaikwerkstatt Fran Mayersche Hofkunstanstalt in München mit Mosaik-Entwürfen von Franz X.W. Braunmiller neu gestaltet. 1995 war sie Renovierung des Ziboriusaltars abgeschlossen.
Für mehr Geschichte steht das Archiv zur Verfügung.
Bilder von Kirchenbauten vor der Grundsteinlegung des Erftaldoms im Jahre 1891

Quelle: Archiv
