Orgelbau in Hardheim

Quelle: Erftaldomorgel

 

Sonderausstellung im Erfatal-Museum
150 Jahre Orgelbau in Hardheim


Streifzug durch die Geschichte / Eröffnung am 20. März 2009
Von unserem Mitarbeiter Torsten Englert

Hardheim. Das Erfatal-Museum widmet seine erste Sonderausstellung in diesem Jahr dem Jubiläum von rund 150 Jahren Orgelbautradition in Hardheim. Die Eröffnung ist am Freitag, 20. März, um 19 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum. Als Begründer der Hardheimer Orgelbautradition gilt nachweislich der aus Waldstetten stammende Schreiner und Orgelbauer Ignaz Dörr, der 1829 in Waldstetten geboren wurde. 

Begründer der Orgelbautradition

Seine erste Orgel verkaufte Dörr an das Waisenhaus in Wertheim und lieferte sie am 23. Oktober 1856 aus. Es war eine Stubenorgel mit drei Registern ohne Pedal. Sämtliche Pfeifen waren von Lindenbaumholz mit Ausnahme des Prinzipals, bei welchem nur die unterste Oktave aus Holz war, die übrigen aus Zinn. Als Ignaz Dörr die Orgel seiner Heimatgemeinde Waldstetten reparieren wollte, wurde die Vertragsgenehmigung von der zuständigen Badischen Regierung verweigert, da er keine Konzession besaß. Die entsprechenden Zeugnisse seiner Lehrbetriebe aus Würzburg reichte er bei der Badischen Regierung in Mannheim ein. Auf deren Geheiß musste Ignaz Dörr am 17. März 1857 in Hardheim bei Orgelbauinspektor Moßbrucker aus Wertheim die Prüfung zum Orgelbauer ablegen. Diese bestand aus acht verschiedenen Fragen und dem Anfertigen einer Zeichnung für eine Orgel mit ungefähr 20 Registern. Nun konnte er als Orgelbauer arbeiten und erhielt eine Konzession. Am 8. Januar 1861 kaufte er das ehemalige Schulhaus neben der alten Pfarrkirche in Hardheim und zog mit seiner Familie im April 1861 dort ein. Ignaz Dörr starb 1886 während einer Zugfahrt zwischen Bronnbach und Reichholzheim an einem Schlaganfall. Da sein ältester Sohn Fridolin (1857 bis 1926), der den Betrieb einmal übernehmen sollte, sich bei Arbeiten in der Werkstatt des Vaters verletzte und sein linker Arm amputiert werden musste, konnte er seine Orgelbauerausbildung nicht zu Ende führen und wurde Gewerbelehrer in Vöhrenbach (Schwarzwald) und Mannheim. Die Orgelbaufirma wurde deshalb von Wilhelm Bader senior übernommen. Bader wurde 1846 in Haßmersheim geboren. Vermutlich hat er den Beruf des Orgelbauers bei Johann Mayer in Hainstadt erlernt. Wann er nach Hardheim kam, ist nicht bekannt. Am 19. April 1886 trat er jedoch in die zehnjährige Garantie für die Orgel in Waldmühlbach von Ignaz Dörr ein. 

Domizil in der "Langen Gasse"

Wilhelm Bader kaufte 1886 ein zweistöckiges Wohnhaus mit Gerberei-Werkstätte in der "Langen Gasse" (heute einer der Parkplätze der Maschinenfabrik Eirich). Der Betrieb wurde vermutlich ab der Geschäftsübernahme 1886 dahin verlegt. 1910 wurden zwei angrenzende Grundstücke dazu gekauft, wo um 1912 eine neue Orgelbauwerkstätte errichtet wurde. Drei Söhne Baders, Wilhelm junior (1875-1964), Maximilian (1879-1955) und Cornel (1888-1973), erlernten ebenfalls im elterlichen Betrieb das Orgelbauerhandwerk. Im Oktober 1894 erstellte Wilhelm Bader senior zusammen mit seinen beiden Söhnen Wilhelm und Max die Orgel der in den Jahren 1891 bis 1894 neu errichteten Hardheimer Pfarrkirche St. Alban. Später firmierte Wilhelm Bader unter der Bezeichnung "Wilhelm Bader & Söhne". Er starb 1927 in Hardheim. 

Florierender Betrieb

Der Orgelbaubetrieb wurde nach dem Tod zunächst von den Söhnen Wilhelm und Max weitergeführt und florierte so gut, dass die beiden Brüder 1928 das Geschäftsgelände der in Konkurs gegangenen "Fränkischen Türen- und Möbelfabrik" in der Bretzinger Straße (heute A. und A. Eirich) erwarben und dort den Betrieb einrichteten. 1936 verkaufte Max Bader seinen Geschäftsanteil an seinen Bruder Wilhelm. Bereits 1935 kaufte Max Bader das Orgelbaugeschäft in der "Langen Gasse" und führte es bis zu seinem Tod 1955 allein weiter. Wilhelm Bader junior führte den Betrieb in der Bretzinger Straße alleine fort. In der Hofackerstraße (heute Ecke Würzburger Straße/Gartenstraße) baute er 1920 ein Wohnhaus, was er zunächst vermietete. Später, als das Betriebsgebäude in der Bretzinger Straße zu groß war, baute er in der Hofackerstraße eine Orgelbauwerkstatt an und verlegte den Betrieb dorthin (bis 1960). Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es kurze Zeit noch einen dritten Orgelbaubetrieb neben den beiden "Bader'schen". Orgelbauer August Stöber kam am 18. Januar 1950 nach Hardheim in die Hofackerstraße 14 (heute Würzburger Str. 4). Er war bei Wilhelm Bader tätig und machte sich ab 1. Juli 1953 in der Hofackerstraße 8 (ehemalige Schreinerei) selbstständig. 

Vleugels übernahm Werkstätten

http://www.vleugels.de/

Die Orgelbauwerkstätten von Max Bader (1. Oktober 1958) und Wilhelm Bader (1960) wurden schließlich von Orgelbaumeister Hans Theodor Vleugels übernommen. Von 1960 bis 1966 wurden die Betriebe zusammengefasst und von den Orgelbaumeistern Hans Theodor Vleugels und Paul Mund geführt. Am 1. Januar 1967 wurde der zusammengefasste Betrieb in "Orgelbau-Vleugels GmbH" umbenannt. Wegen eines Betriebsunfalls übergab Vleugels den Betrieb am 1. Januar 1991 an seinen Sohn, Orgelbaumeister und Restaurator Hans-Georg Vleugels. Ein ganz besonderes Ereignis in der rund 150-jährigen Orgelbautradition in Hardheim war im Frühjahr 2006 die feierliche Übergabe einer Truhen-Orgel aus dem Hause Vleugels an Papst Benedikt XVI im Vatikan in Rom. Die Sonderausstellung des Erfatal-Museums wird am 20. März um 19 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum eröffnet. Die Festrede hält der Stadtpfarrer von Gengenbach und ehemalige Diözesanpräses des Cäcilienverbandes der Erzdiözese Freiburg, Dr. Udo Hildenbrand, mit dem Titel "Die Königin der Instrumente, die kulturgeschichtliche und liturgische Bedeutung der Orgel". Für die musikalische Umrahmung sorgen an der Orgel und dem Museumharmonium Friedhelm Bräuer und Richard Leiblein. Fränkische Nachrichten

28. Februar 2009

3 Generationen der Orgelbau-Familie Vleugels zusammen mit Paolo Oreni anlässlich des Orgelkonzertes am 7.6.2015 in der Kath. Pfarrkirche St. Alban.
Von Links: Johannes Vleugels, Hans-Georg Vleugels, Paolo Oreni, Hans-Theodor Vleugels