Videoübertragungen von der Empore auf Großleinwand.
Organisten auch visuell im Mittelpunkt

Ganz besonderes Klangerlebnis in Hardheim: "Orgelkonzert zu vier Händen und vier Füßen"

Quelle: Foto: Zegewitz

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hardheim. Mit renommierten Organisten und außergewöhnlichen Klangkompositionen von Orgel, Instrumentalsolisten und Gesang setzen die Veranstalter der Konzertreihe im Hardheimer Erftaldom seit Jahren Akzente. Erneut für Aufsehen sorgten die katholische Pfarrgemeinde und der Freundeskreis "Erftaldomorgel" am Sonntag mit einem fast schon experimentellen Projekt unter dem Titel "Orgelkonzert zu vier Händen und vier Füßen".

Mit Diözesanmusikdirektor Gregor Frede und Regionalkantor Stefan Walter, beide aus Würzburg, griffen nicht nur zwei ausgewiesene Könner ihres Fachs gleichzeitig in die Manuale und Pedale der Vleugels-Orgel, ihr virtuoses Spiel wurde auch über zwei Kameras live auf eine Großbildleinwand im Altarbereichübertragen.

Blick in das Orgelinnere

Wie es zu dieser innovativen Idee kam, schilderte Bernhard Berberich, Sprecher des Freundeskreises: "In den letzten Jahren wurde immer wieder die Frage nach der technischen Ausstattung der Vleugels-Orgel gestellt." Als Antwort darauf und als ein Höhepunkt der bisherigen Konzertreihe konnten die Zuhörer erstmals per Videoübertragung das Innenleben der Orgel beobachten und den beiden Organisten bei ihrer zuweilen schweißtreibenden "Arbeit" über die Schulter schauen
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Quelle: Foto Zegewitz

Videoübertragung

Möglich wurde dieses einzigartige Erlebnis für Auge und Ohr durch die technische und personelle Unterstützung des Medienzentrums des Landkreises Miltenberg mit dessen Leiter Egon Galmbacher als Regisseur am Mischpult sowie Dominik Stapf an der Kamera. Als weiterer Kameramann fungierte Lothar Beger, der auch den Kontakt in den Nachbarkreis hergestellt hatte.

  Für Gregor Frede ebenfalls etwas Besonderes, wie er zu Beginn seiner Einführung in das Konzert bekannte. "Sonst bin ich ja weit weg und alleine", wies der stellvertretende Vorsitzende der Konferenz der Leiter katholischer kirchenmusikalischer Ausbildungsstätten in Deutschland (KdL) damit auch gleich auf die Herausforderungen des vierhändigen und vierfüßigen Spiels hin.

Technische Herausforderung

Eine Herausforderung, die allerdings auch große Vorzüge hat, können doch zu zweit alle drei Manuale der Vleugels-Orgel sowie die zugehörigen Register und Pedale gleichzeitig bedient und so eine weitaus größere Klangausbeute erzielt werden: Umfasst die Bandbreite eines Solisten üblicherweise bis zu drei Oktaven, entsteht bei einer Verdoppelung ein nahezu orchestraler Klang, der als sehr romantisch und homogen wahrgenommen wird.

Quelle: Foto Zegewitz

Einen ersten Eindruck davon konnten sich die rund 100 Zuhörer nach einem "Aufwärmsolo" von Gregor Frede an der Glasorgel mit der "Sonate d-moll, op. 30" von Gustav Merkel machen.

Keineswegs als Kopie, sondern vielmehr als Ehrerbietung an Johann Sebastian Bach komponiert, besticht das einst in Vergessenheit geratene Werk des gelernten Tischlers und späteren katholischen Hoforganisten in Dresden mit einer aus dem Barock in die Romantik überführten, strengen Satzfolge, die den beiden Organisten äußerste Finger-, aber auch Fußfertigkeit abverlangte. Mit glockenähnlichen Klängen und Pfeiffen-Effekten von filigran verspielt bis dunkel und geheimnisvoll zeigte sich die Vleugelsorgel anschließend bei Peter Tschaikowskis "Nussknackersuite op. 71a" erneut von einer so üblicherweise nicht hörbaren Seite.

Standing Ovations zum Dank

Ohne den Einsatz der Pedale, dafür aber in stilechter Vollendung interpretierten Frede und Walter die einst vom englischen Publikum als "Tea-Time-Musik" verunglimpfte "Sonate F-Dur, op. 18/6" von Johann Christian Bach und füllten das Kirchenschiff mit äußerst gefälligen Melodien.

Und ganz nach dem Motto "alles, was die Orgel hergibt" fiel schließlich auch der Endspurt aus. Zunächst sehr heiter und eher leise schwoll das "Duett for Organ" von Samuel Wesley am Ende zum klanggewaltigen "Allegro Fuga" an, das ein letztes Mal den gesamten Erftaldom ausfüllte. Vom restlos begeisterten Hardheimer Publikum gab es dafür Standing Ovations, die erst abflauten, als Gregor Frede die Zuhörer mit einem Gutenachtgeschenk als Zugabe "nach Hause spielte". rs

Zum Ausklang der diesjährigen Konzertreihe bietet der Freundeskreis "Erftaldomorgel" am Sonntag, 10. Oktober, ein "Gesamtkunstwerk" unter dem Motto "Orgel, Licht und Wort".

Fränkische Nachrichten
27. Juli 2010