Patronat: Rom, Malta, Posen/Poznan (Polen); der nach ihm benannten Ordensgemeinschaften; der Theologen, Seelsorger, katholischen Presse, Weber, Zeltmacher, Teppichweber und -knüpfer, Korbflechter, Seiler, Sattler, Arbeiterinnen; gegen Angstzustände, Ohrenkrankheiten, Krämpfe, Schlangenbisse, Blitzschlag; für Regen und Gedeihen der Feldfrüchte
Paulus wurde um 10 n.Chr. in Tarsus in Kilikien (heute Südtürkei) unter dem Namen Saulus in einer jüdischen Familie mit römischem Bürgerrecht geboren. Er sollte Rabbiner werden, und seine Familie schickte ihn mit 20 Jahren zur Ausbildung nach Jerusalem, wo er an der Tempelakademie studierte und nebenher das Handwerk seiner Familie – die Teppichweberei – betrieb. Die frühen Christen sah er als abtrünnige jüdische Sekte, die um jeden Preis verfolgt werden musste. Bei der Steinigung des ersten christlichen Märtyrers Stephanus im Jahr 35/36 n.Chr. war er dabei und hütete nach eigener Aussage die Kleider der Steiniger. Nach seinem Studium schickte man den jungen Fanatiker nach Damaskus, wo er die Christengemeinde zerstören sollte. Kurz vor den Toren der Stadt erschien ihm der Heiland in einer Vision und bewirkte eine völlige Umkehr bei ihm. Drei Tage lang konnte er nichts mehr sehen, man führte ihn nach Damaskus hinein, wo sich Ananias um ihn kümmerte und ihn schließlich taufte. Um das Erlebte zu verarbeiten, verbrachte Paulus drei Jahre in der Wüste, als er aber zurückgekehrt war, machte er sich energisch an das Missionswerk: Zunächst in Damaskus, später in Jerusalem, Zypern, Syrien und seinem Heimatland Kilikien verbreitete er den neuen Glauben und gründete zahlreiche neue Gemeinden. Seinen Namen wandelte er in dieser Zeit zu »Paulus«. Auf dem Apostelkonzil in Jerusalem im Jahr 48 vertrat er gegen Petrus mit Erfolg die Ansicht, dass das Christentum auch zu den nichtjüdischen Heiden gebracht werden müsse; waren es doch bisher die Juden, an die sich die Apostel bei ihrer Missionsarbeit gewandt hatten.
Auf weiteren Reisen kam Paulus nach Galatien (Zentralanatolien, der Name stammt von zugewanderten Kelten), um das Jahr 50 nach Makedonien und in die Gegend des heutigen Thessaloniki und schließlich nach Korinth (nördlicher Peloponnes), wo er die folgenden Jahre verbrachte. Eine dritte Reise machte er wiederum nach Kleinasien, wo er in Ephesos (heute Ruinenfeld bei Selçuk an der Ägäisküste der Westtürkei) vorübergehend verhaftet wurde, und kehrte über die ägäische Nordküste zurück nach Korinth. Wo er nicht von Christen versorgt wurde, übte Paulus weiter sein Handwerk aus.
Um das Jahr 59 begab sich Paulus in Jerusalem in römische Schutzhaft, da ihn Juden und Judenchristen wegen seiner – heute würde man sagen: – liberalen Ansichten zu der Frage, wer Christ werden könne, bedrohten. Zwei Jahre wurde er in Cäsarea festgehalten und dann nach Rom überstellt, da die örtliche Justiz für ihn als römischen Bürger nicht zuständig war. Auf der Überfahrt erlebte er einen Schiffbruch und verbrachte eine Weile auf der Insel Melita (Malta, Mljet/Kroatien oder Kephallenia/ Griechenland). In Rom angekommen, scheint er sich frei bewegt haben zu können, so dass er weitere zwei Jahre, bis zu den Christenverfolgungen Kaiser Neros, predigen und lehren konnte. Hier sah er auch Petrus wieder. Wann und wie er gestorben ist, ist umstritten, spätestens jedoch 68 n.Chr. und vermutlich eines natürlichen Todes. Sein Leichnam wurde zunächst in den Katakomben an der alten Via Appia bestattet und im 4. Jahrhundert in eine eigene Grabeskirche, die heutige Basilika San Paolo fuori le mura, übertragen.
Paulus’ Bedeutung für das frühe Christentum besteht darin, dass er es aus dem engen regionalen Zusammenhang gelöst, sozusagen global definiert hat. Jeder Mensch, nicht nur – wie bisher üblich und von Petrus gefordert – diejenigen aus dem engeren jüdischen Kulturkreis, konnte und sollte der Gnade des Herrn teilhaftig und Christ werden. Ohne diese Neuausrichtung wäre das Römische Reich sicher nicht so schnell und gründlich christianisiert worden. Paulus’ strenge Abgrenzung vom Judentum (dem er ja selbst entstammte) ist später oft zur Begründung des Antisemitismus missbraucht worden.
Im Neuen Testament sind 13 Briefe des Paulus enthalten, von denen vielleicht nur sieben tatsächlich von ihm stammen. Sie sind eine wichtige Quelle für die Geschichte der Apostel und der frühen Christenheit überhaupt.
Darstellung: als Prediger; oft zusammen mit Petrus (zwei Apostelfürsten)
Attribute: Buch; Schwert (legendäres Martyrium)

Quelle: Herder-Verlag


